10. September 2016

Meine Jeansstory

Vor 14 Tagen habe ich mir eine neue Jeans gekauft und sie seither jeden Tag getragen. Und Leute: Ich finde diese Jeans dermaßen schön, schön, schön, dass ich sie auch noch die kommenden 365 Tage tragen werde, non-stop. Selten war ich so verrückt nach einer Jeans – wenn ich zurückdenke, eigentlich nur zweimal in meinen Leben. Ich erinnere mich an das Jahr 1981 oder 1982, als ich meine erste richtige Jeans bekommen habe. Richtig bedeutete damals

a) die Jeans muss entweder von Levis oder Wrangler sein
b) die Jeans muss aus schwerem, dunklem Denim sein (mid waist, straight leg)
c) die Gehfalten in der Kniekehle müssen deutlich sichtbar und vor allem dauerhaft sein

Jeans, die diese Kriterien nicht erfüllten, waren keine Jeans, sondern allenfalls Jeanshosen, mitunter sogar mit Chemiefaseranteil und permanenter Bügelfalte. Mit meiner ersten richtigen Jeans habe ich plötzlich in einer anderen Liga gespielt, glaubt es mir. Dazu trug ich dunkelblaue Kickers (nicht die zum Schnüren, sondern die mit dem Stretcheinsatz an den Seiten und den Kreppsohlen) sowie meinen „University-Pulli“, ein dunkelblaues Sweatshirt, das auf der Vorderseite mit dem Emblem eines imaginären amerikanischen Colleges bedruckt und schon ziemlich verwaschen und spröde war; dadurch hatte es einen leichten, kaum wahrnehmbaren Lila-Einschlag. Ein extrem starkes Outfit, das ich genauso auch heute noch tragen würde.

Den zweiten krassen Jeansmoment hatte ich im Sommer 1986, es kann auch 1987 gewesen sein. Ich hatte einen Ferienjob bei einem inhabergeführten Mittelstandsunternehmen, das sich mit der Herstellung und dem Verkauf von Berufsbekleidung befasste. Meine Hauptaufgabe bestand darin, lange schmale Stoffstreifen in eine Spezialnähmaschine zur Herstellung von Gürtelschlaufen zu schieben. Einmal sollte ich etwas vom Dachboden holen – mir stockte der Atem, als ich zwischen dem typischen Dachbodengerümpel eine Original Levis 501 fand, und zwar nicht irgendeine Levis 501, sondern eine „Big E“. Kennerinnen und Kenner der Jeansgeschichte wissen, dass der Levis-Schriftzug auf dem kleinen roten Etikett an der Gesäßtasche vor 1971 mit einem großen E geschrieben wurde. Bei allen Levis-Jeans, die nach 1971 hergestellt wurden, hatte der Schriftzug ein kleines e. Eine Levis 501 „Big E“ bekam man, wenn überhaupt, nur in der Garage, dem legendären 2nd-Hand-Laden in Berlin! Und hier lag direkt eine vor mir! Im genau richtigen Abgenutzt-und Verwaschenheitsgrad! Bei dem Teil handelte es sich definitiv um eine Jeans aus dem Privatbesitz des Inhabers des Unternehmens, Herrn Z. Wie oh wie nur könnte die Jeans in meinen Besitz gelangen? Ich konnte an nichts anderes mehr denken.

Links big E, rechts small e

An meinem letzten Arbeitstag fragte mich Herr Z., ob ich mir zum Abschied etwas aus dem Laden aussuchen möchte. Klar, man kann auch mit einem Blaumann einen guten Look stylen, aber ich nahm all meinen Mut zusammen und sagte, dass ich gern die Dachboden-Levis hätte. Herr Z. war kurz irritiert, wies mich auf die extrem schwere Qualität der Hose hin und dann: Aber ja, natürlich, du darfst die Jeans mitnehmen! Leute, ich war glücklich.

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31. August 2016

Socken und Schuhe

Über Socken schreibe ich hier nicht das erste und sicher auch nicht das letzte Mal, das steht schon mal fest. Auch über Schuhe habe ich mich schon an der ein oder anderen Stelle geäußert. Ein Novum hingegen ist, dass ich in diesem Blogpost das Thema Socken UND Schuhe erörtern möchte – gleichzeitig!

Eine Erscheinung, die einerseits schon seit längerem in der einschlägigen Literatur, auf Fashionblogs und von bestimmtem Modehäusern propagiert wird, die es andererseits aber niemals in den Mainstream schaffen wird, ist die Kombination Socken plus offene Schuhe. Zu zementiert ist die Beziehung zwischen dem Signifikanten „Socken in offenen Schuhen“ mit dem Signifikat „Stilloser deutscher Tourist“!

Links oben: Leandra Medine, links unten: Fendi, Mitte: Sherry Shen, rechts: Marni

Dieser Sachverhalt ist natürlich auch der Grund dafür, dass die Kombination von Socken mit offenen Schuhen in Modekreisen als ein Nonplusultra gehandelt wird: Während der Mainstream aus Panik, wie ein Trottel ohne Geschmack dazustehen, nur barfuß in seine Sandalen und Schlappen schlüpft, nimmt der modetechnisch versierte Mensch genau dies zum Anlass, Socken in offenen Schuhen zu tragen, um so Teil eines eingeweihten Fashion-Forward-Zirkels zu werden. Natürlich nicht irgendwelche Socken und schon gleich gar nicht irgendwelche Schuhe!

Den Gucci-Gedanken konsequent zu Ende gedacht

Während man also mit Socken in offenen Schuhen semiotisch permanent auf dünnem Eis läuft, ist die Kombination von Socken mit geschlossenen Schuhen völlig unproblematisch. Sind Socken in geschlossenen Schuhen etwa Signifikanten ohne Signifikat, also reine Signifikanten? Wenn ich das nur wüsste! Die schwarzen Netzsöckchen jedenfalls möchte ich als Reminiszenz an die Punkbewegung der späten 70er und frühen 80er verstanden wissen. Hintergrund: Ich habe die Memoiren von Viv Albertine, der Gitarristin der Slits, gelesen!

Schuhe: Marni

Und wo wir schon bei Netzsöckchen sind: Warum nicht auch Söckchen in Spitzen-Optik? In hell- bzw. vanillegelb?

Schuhe: Marni

Wusstet ihr eigentlich, dass Johnny Rotten, der Sänger der Sex Pistols, seit vielen Jahren mit der Tochter des früheren Herausgebers des Berliner Tagesspiegels, Franz Karl Maier, liiert ist? Und dass die Enkelin von Franz Karl Maier, also die Tochter der Lebensgefährtin von Johnny Rotten aus erster Ehe, die Sängerin der oben erwähnten Slits war? Ich wusste das nicht!

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10. Juli 2016

Nagellack

Kommt man nach einem anstrengenden Tag ermattet nach Hause, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Situation zu verbessern. Eine davon ist, den Beutel mit den Nagellacken – es müssen um die 30 Fläschchen sein – aus der Schublade des Schminktischchens zu holen, auf dem Bett auszuschütten, ein bisschen darin herumzuwühlen, sich über die schönen Farben zu freuen und darüber nachzudenken, welche ausgetüftelte Farbkombination man als nächstes auf Fuß- und Fingernägel lackieren könnte. Das hebt meine Laune, das macht mich glücklich, und ich sage es frei heraus: Ich liebe Nagellack.

Eine meiner absoluten Lieblingsfarbkombinationen ist rosa und dunkelblau. Très chic! Mit dunkelblau lackierten Fußnägeln gibt man den konservativ rosa lackierten Fingernägeln einen edgy Twist, lackiert man hingegen die Fingernägel dunkelblau, kann man mit rosafarbenen Fußnägeln Frische und Seriosität addieren.


Da Nagellack auf den Fußnägeln länger hält als auf den Fingernägeln, lackiere ich Fußnägel gern in einer Farbe, die mit vielen anderen Farben harmoniert: Dunkelgrün. Stellt Euch einfach eine Blume vor – unten grün, oben alle zwei, drei Tage eine andere Knallfarbe. Dieses Farbstrategie aus der Natur lässt sich wirklich problemlos in die Welt des Nagellacks übertragen!


Ein Text über Nagellack ohne die Farbe Rot wäre was? Unvollständig, der Text wäre unvollständig! Schließlich ist Rot der Klassiker unter den Nagellackfarben und steht (vor allem in den dunkleren Nuancen) für den grown-up-Look. Besonders gut gefällt mir die Kombination zweier Rottöne und der Farben Rot und Gold. Für Leute wie mich, die regelmäßig von Gedanken wie „Darf ich das schon?“ oder „Dafür bin ich aber noch zu klein!“ heimgesucht werden, ist roter Nagellack übrigens ein wichtiges Selbstvergewisserungstool. Ein Blick auf die rotlackierten Nägel und es fällt mir wieder ein: Aha, ja, stimmt, ich bin erwachsen.


Karamell – geschmacklich komplett etabliert, als Nagellackfarbe hingegen ein totaler Geheimtipp und ganz schwer zu bekommen! Karamellfarbene Nägel sind ein wenig schräg und doch sophisticated, sie sind dezent, aber ungewöhnlich, und sie passen zu wirklich allen anderen Farben. Hier der Fotobeweis:


Was haltet ihr von Nagellack?

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23. Mai 2016

Rote Hosen

Neulich machte ich nach Feierabend einen kleinen Schlenker über die Französische Straße, um bei „The Corner“ ins Schaufenster zu kucken. Dort war ein Gucci-Komplettoutfit dekoriert, bestehend aus folgenden Einzelteilen:


Ich fand dieses Outfit dermaßen hübsch, dass ich sofort nach Hause eilte, um einen ähnlichen Look nachzustylen – Ihr müsst wissen, ich besitze eine ungefähr sechs Jahre alte rote Hose, die nun wieder zum Einsatz kommen sollte!

Als ich zuhause die rote Hose anprobierte, stellte sich heraus, dass mich meine ausschließlich positiven Erinnerungen an diese Hose in die Irre geführt hatten. Die rote Hose war nicht etwa ein bisschen last year, die war total last century! Der Bund saß viel zu tief (niemand trägt mehr diese slimmen low-waist-Dinger), oben war sie knalleng, und dann diese leicht ausgestellten, zu langen Hosenbeine (boot-cut-Hosen sind nur theoretisch wieder in, wenn Ihr mich fragt). Alles an dieser Hose fühlte sich falsch an, einfach alles!

ABER! Hat nicht Leandra Medine von Man Repeller gesagt, If it feels wrong, it probably looks right? Ja, das hat sie gesagt, und nicht nur das, es ist sogar ihr Nummer-1-Style-Tipp und mein Leandra-Medine-Mantra, mit dem ich vier Rote-Hosen-Outfits zusammengestellt habe, und zwar für die Bereiche Freizeit, Achtziger, Sonstiges und Office. Bin also mit meiner roten Hose von nun an für alle Eventualitäten und Imponderabilien des Lebens gewappnet!


Und denkt immer daran: If it feels wrong, it probably looks right!

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13. Mai 2016

Zeiss und Stockhausen

Neulich, beim Durchblättern einer Modezeitschrift aus dem Jahre 1982, stieß ich auf folgende Anzeige:

Zum Vergrößern doppelklicken und dann noch einmal doppelklicken!

Ich erinnere mich genau, schon als Kind (1982 war ich elf) habe ich mich gefragt: Wer ist diese Christina Stockhausen? Ob ich mich auch gefragt habe, warum diese Christina Stockhausen Urlaub auf den Antillen macht, glaube ich allerdings nicht. 1982 waren die Antillen für mich so weit weg wie beispielsweise der Mond. Möglicherweise wusste ich noch nicht einmal, was die Antillen sind – Erdkunde war nicht mein Lieblingsfach und ich habe es tunlichst vermieden, den Diercke Weltatlas aufzuschlagen. In der Werbung hätte also auch genauso gut stehen können: Christina Stockhausen, 28, im Urlaub auf dem Mond. Mit Sonnenbrille und Taschenfernglas von Zeiss.

Kein Mensch in West Germany hat 1982 Urlaub auf den Antillen gemacht! Man reiste klassisch nach Italien und Spanien, und manche verbrachten jeden Sommer drei Wochen im Hohenlohischen, eine Autostunde von zuhause entfernt. Etwas exklusivere Reiseziele waren Südfrankreich, die Schweiz und Insel-Destinationen wie Teneriffa und Sylt. Ich lasse mich in dieser Einschätzung natürlich gern berichtigen. Falls ihr also in den Achtzigern jede Sommerferien auf den Antillen verbracht habt, gebt mir bitte Bescheid.

Welche Zielgruppe hatte diese Werbung? Wer sollte mit dem Versprechen eines Antillen-Urlaub-Feelings dazu verführt werden, sich eine Zeiss-Sonnenbrille zuzulegen? Und vor allem: Ein Zeiss-Fernglas? Und immer wieder: Wer ist Christina Stockhausen?


Zumindest die letzte Frage kann ich inzwischen beantworten: Christina Stockhausen gibt es in Wirklichkeit gar nicht. Leider, leider, leider gibt es keine Christina Stockhausen. Zu gern hätte ich gewusst, wo sie vielleicht sonst noch so Urlaub gemacht hat.

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8. Mai 2016

Fendi Love

Seit einiger Zeit finde ich wirklich alles bombe, was Karl Lagerfeld für das römische Traditionshaus Fendi auf den Markt wirft. Alles! Und wenn ich mich auf Youtube und anderen Kanälen umschaue, wer Fendi sonst noch so toll findet, dann er- und verhärtet sich ein Verdacht in mir: Ich bin eine totale Tussi, eine Designerklamotten-Tussi. Oder, wie es Kreayshawn schon vor einigen Jahren formuliert hat, eine basic bitch„Gucci, Gucci, Louis, Louis, Fendi, Fendi, Prada, them basic bitches wear that shit …“. Der Fendi-Stil in knappen Wort zusammengefasst: Teuer, aber schräg – also genau mein Geschmack.

Zum Vergrößern fare doppio click

Natürlich spaziere auch ich nicht einfach so in den Fendi-Store im KaDeWe und kaufe mir eine Bluse für 1.200 Euro. Ich arbeite aber darauf zu. Bis dahin umkreise ich die bereits jetzt für mich erschwinglichen, abnehmbaren „Strap You“-Umhängegurte, die man an jeder Tasche befestigen kann. So schön! Und auch noch so praktisch:


Neulich hatte ich wieder mal eine nicht enden wollende, mehrtägige Kopfwehphase. In solchen Fällen mache ich mit mir selbst kleine Deals: Wenn es mir gelingt, noch weitere fünf Tage am Stück Kopfweh zu haben, darf ich mir am sechsten Tag einen Fendi-"Strap You"-Strap kaufen. No pain, no gain! Dieser Trick funktioniert immer – nach vier Tagen waren die Kopfschmerzen vorbei. Einerseits gut! Andererseits: Einen weiteren Tag Kopfweh hätte ich ja wohl mal noch aushalten können, dann wäre ich jetzt im Besitz eines Fendi-Umhängegurtes. Grummel.

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3. April 2016

Was ich in der KW 13 getragen habe

MONTAG
Hat nicht Niklas Luhmann gesagt, Authentizität sei nicht kommunizierbar? Oder so ähnlich? Oder war das Habermas? Ich jedenfalls photoshopiere in mein Outfitfoto vom Ostermontag gleich mal ein anderes Foto aus einem anderen Zusammenhang aber mit derselben Bluse rein. Und wenn ich ehrlich bin, war das auch nicht mein Ostermontags-, sondern mein Ostersonntagsoutfit. Aber ist ja egal, Authentizität lässt sich eh nicht kommunizieren!


Die Carven-Bluse stammt aus dem Voo Store, einem Hipster-Laden auf der Oranienstraße in Kreuzberg, der seinen Ruhm über Instagram erlangt hat (#voostore). In Wirklichkeit ist der Voo Store natürlich ein ganz normaler Laden mit einer nicht ganz günstigen und in bestimmten Kreisen derzeit sehr angesagten Kleiderauswahl.

DIENSTAG
Laut Anzeige auf meinem Rechner wurden diese Fotos am Dienstag, den 29.03.2016 um 7:48 Uhr aufgenommen. Kurz darauf, nämlich um 8:00 Uhr, habe ich am U-Bahnhof Leinestraße meinen Fahrschein entwertet (Beweis anbei). Authentizität pur! Liegt Luhmann doch falsch?


Der hellblau-rot-gestreifte Rock ist von Max & Co.

MITTWOCH
Es ist Ende März, es herrscht Aprilwetter. Eine Tatsche, der ich auf zweierlei Art Tribut zolle: Erstens, indem ich meinen Sonia-by-Sonia-Rykiel-Regenbogenpulli trage, zweitens, indem ich mich auf meine Layering-Skills besinne.


So funktioniert Layering!
Abbildung 1) Pulli
Abbildung 2) Pulli + Blazer
Abbildung 3) Pulli + Blazer + Jacke

DONNERSTAG
Achtung, hier trügt der Schein! Ich gehe nicht etwa zu meiner eigenen Konfirmation, sondern in ein Büro – das kommt dabei heraus, wenn man sich an seine selbstauferlegten fashion commitments hält, siehe HIER, zweites Gebot: Du sollst Deine schönen Klamotten nicht für spezielle Gelegenheiten aufheben.


Die dunkelblaue Nadelstreifen-Culotte stammt von & Other Stories, die Bluse ist von Cacharel und die Schuhe sind von Marni.

FREITAG
Auch ich schwimme natürlich auf dem Gucci-Hype mit, und zwar in einer von meiner Mutter geerbten, ungefähr aus dem Jahre 1978 stammenden Schluppenbluse.


Die Hose ist von Jil Sander Navy, die Turnschuhe stammen von Givenchy.

SAMSTAG
Saturday = Caturday! Caturday bedeutet, dass alle Hauskatzen weltweit nicht nur Rechte, sondern ausnahmsweise auch mal Pflichten haben und mit aufs Bild müssen, ob sie wollen oder nicht. Außerdem arbeite ich am Samstag immer daran, später mal eine crazy old cat lady zu werden.


Aber bitte behaltet immer das Luhmann’sche Diktum im Hinterkopf: Authentizität lässt sich nicht kommunizieren! Das sieht auf dem Foto nur so aus, also ob ich vier Katzen und nicht mehr alle Latten am Zaun hätte! Moderne Technik macht’s möglich – in Wirklichkeit habe ich nur eine Katze und bin trotz Herzchenpulli von Anthony & Alison mega seriös und vollkommen zurechnungsfähig.

SONNTAG
Solange sonntags Kaffee und Kuchen auf den Tisch kommen, ist bekanntlich die Welt noch in Ordnung! Noch besser, wenn man den Kuchen nicht selbst backen muss, sondern zu einer Geburtstagstafel eingeladen ist. Zum Thema Kaffee und Kuchen hat sich Luhmann leider nicht geäußert, ich kann Euch aber verraten, dass ich in wenigen Minuten in genau dem unten abgebildeten Sonia-by-Sonia-Rykiel-Ringelpulli das ein oder andere Stückchen Kuchen verspeisen werde.


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25. März 2016

Stoffmuster

Erstaunlich, wie bereitwillig die Leute früher der Presse Auskunft gegeben haben! Man musste nur sagen „Ich bin von der Washington Post“ und schon haben die Leute geredet – oder derart ungeschickt gelogen, dass sofort klar war, man hat mit den investigativen Fragen ins Schwarze getroffen.


So zumindest wird es in dem Film „All the President’s Men“ dargestellt, in dem es natürlich nur vordergründig um die Watergate-Affäre geht. In Wirklichkeit handelt es sich bei dem Film mit Dustin Hoffman und Robert Redford, der auf Deutsch „Die Unbestechlichen“ heißt, um einen astreinen Investigativjournalismusästhetikverherrlichungsstreifen.

„Das ist aber eine ziemlich starke Behauptung!“, werdet ihr jetzt wahrscheinlich sagen, „Hast Du dafür überhaupt Beweise?“ Klar, habe ich!

Beweis 1: Ständig wird auf Stiften herumgekaut


Beweis 2: Völlig unpraktische kleine Blöcke werden mit unleserlichen Informationen vollgekritzelt


Beweis 3: Es wird lässig in den Redaktionsräumlichkeiten herumgesessen


Toller Film also, der mir darüber hinaus bei dem schwierigen Entscheidungsfindungsprozess „Neuer Bezug für einen alten Sessel“ weitergeholfen hat. Ich weiß jetzt immerhin, dass es ein heller Stoff mit einem floralen Muster sein soll:


Irgendwelche Whistleblower unter meinen Leserinnen und Lesern, die mir sagen können, wo es besonders schöne Möbelstoffe gibt?

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28. Februar 2016

Fünf Gründe für englische Wachsjacken. Eine Liebeserklärung

1. Verwirrung. Englische Wachsjacken, besser bekannt als Barbour-Jacken, gelten als Uniform englischer Adliger und konservativer Jura-StudentInnen. Ich bin weder das eine noch das andere; somit kann ich problemlos Barbour-Jacken tragen, ohne diese vorgefertigte Lesart zu evozieren. Trotzdem schadet es natürlich nicht, ein Kleidungsstück zu besitzen, in dem man theoretisch den Eindruck erwecken könnte, man sei entweder eine verarmte Adlige, die nichts mehr besitzt außer ihrem Dünkel und der mehrfach geflickten Wachsjacke, oder eine Tochter aus gutem Hause mit einem abgebrochenen Jurastudium.

2. Glastonbury. Barbour-Jacken geben einem außerdem die Möglichkeit, sich wie Alexa Chung auf dem Glastonbury-Festival zu fühlen, ohne das Glastonbury-Festival besuchen zu müssen. Das ist deswegen praktisch, weil mich keine zehn Pferde auf so ein Festival bringen. Niemals.

Ihre Ladyschaft Diana, Alexa Chung, Helen Mirren, die Queen, alle in Barbour

3. Funktionskleidung. Ständig wird lamentiert, die Leute in Deutschland würden nur noch hässliche Funktionskleidung tragen, auch wenn keine Funktionskleidung nötig ist. Meine Bewegungs-App sagt mir, dass ich täglich durchschnittlich 13,55 km Fahrrad fahre. Mit Fug und Recht dürfte ich also Regenfunktionskleidung tragen. Mache ich aber nicht. Ich nehme stattdessen meine Bürgerpflicht war, trete mit meiner Wachsjacke dem Funktionskleidungseinerlei in deutschen Innenstädten entgegen und werde lieber nass. Das stimmt nämlich gar nicht, dass Barbour-Jacken wasserdicht sind. Die sind nur bedingt wasserdicht.

4. Vielseitigkeit. Man kann Barbour-Jacken immer und zu allem tragen. Ist so! Feine und formale Outfits lassen sich mit der Jacke dezent runterdressen und bekommen ein lässiges Finish, abgeranzte Klamotten hingegen werden von der Babour-Jacke aufgrund ihrer soliden, sichtbar auf Langlebigkeit angelegten Machart enorm aufgewertet.

5. Geld. Aufgrund ihrer Vielseitig- und Langlebigkeit gehören Barbour-Jacken zu den preiswertesten Kleidungsstücken überhaupt. Das lässt sich leicht mit der cost-per-wear-Formel ausrechnen:

cost of the item : number of wears = cost per wear

Meine alte Wachsjacke habe ich vor fünf Jahren für ungefähr 350 Euro gekauft. Ich habe diese Jacke jedes Jahr in den Monaten Februar bis April und September bis November täglich, in den Monaten Mai, Juni und Dezember ungefähr an der Hälfte der Tage und im Januar, Juli und August wahrscheinlich nicht getragen. Das macht ungefähr 225 Tage pro Jahr, an denen ich die Jacke getragen habe, in fünf Jahren also insgesamt 1125 Trage-Einheiten. Somit hat meine Jacke folgenden CPW-Quotienten:

350 Euro : 1125 Trage-Einheiten = 0,31 Euro

Berechne ich ein, dass ich die Jacke in den letzten fünf Jahre zweimal zum Wachsen à 50 Euro und einmal zum Flicken und Stopfen (ebenfalls 50 Euro) gegeben habe, komme ich auf einen derzeitigen CPW-Quotienten von 44 Cent – ein sensationeller Wert!

Alle mathematisch interessierten und versierten Leserinnen und Leser möchte ich nun eindringlich auffordern, die CPW-Formel um folgenden Aspekt zu erweitern: Ich habe mir in den letzten fünf Jahren keine weitere Jacke gekauft; aufgrund der oben beschriebenen Vielseitigkeit war das nicht nötig. Durch das Tragen der Jacke sind mir also eigentlich keine Kosten entstanden. Im Gegenteil – ich hab ein dickes Plus gemacht, oder? Jetzt möchte ich natürlich wissen, wie hoch dieses Plus ist.

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7. Februar 2016

What's in my bag?

Wer ist eigentlich heute noch bei Flickr, *der* online Fotosharing-Community der 2000er-Jahre? Das frage ich mich manchmal, und zwar nicht ganz unwehmütig. Für mich als einerseits ordnungs- und dokumentations-, andererseits klamottenbesessenen Menschen war Flickr und dort speziell die Sreetstyle-Gruppe wardrobe_remix ein Paradies!


Zu jedem hochgeladenen Outfit verfasste man einen kleinen Text über die Herkunft  jedes einzelnen Kleidungsstücks (my boots are vintage Sergio Rossi, belt: boyfriend, blouse: hand-me-down from my mother), und wenn man ein Teil des Outfits bereits in einem anderen Outfit vorgezeigt hatte, ergänzte man das Stichwort "remixed". So bekam man nicht nur einen schönen Überblick über das eigene Anziehverhalten, sondern auch einen detaillierten Einblick in fremde Kleiderschränke.


Zwischen 2008 und 2013 habe ich 185 Outfits bei Flickr hochgeladen, wobei spätestens 2011 klar war, dass wardrobe_remix nicht mehr das ist, was es einmal war. Viele der wardrobe_remix-Mitglieder erkannten die Zeichen der Zeit, professionalisierten ihre eigenen Blogs und zeigten nur noch dort ihre Outfits – so entstand Anfang der 10er-Jahre das Berufsbild der Fashionbloggerin irgendwo zwischen wandelnder Werbefläche, Streetstyle-Ikone und Möchtegern-Journalistin. Und außerdem kam Instagram! Wenn ich mich nicht irre, hat sogar Chiara Ferragni, die heute mit ihrem Blog "The Blonde Salade" angeblich Milliarden verdient, früher mal Outfits bei wardrobe_remix gepostet. Es kann aber wirklich sein, dass ich mich in diesem Punkt irre.


Eine andere enorm beliebte Gruppe bei Flickr war "What’s in my bag?", in der man Fotos des Inhalts der eigenen Handtasche postete. Das "What’s in my bag?"-Genre ist mittlerweile komplett zu Youtube übergelaufen und dort in Form von "What’s in my bag"-Videos nach wie vor extrem populär.


Ich frage mich allerdings, wieso ich in meiner aktiven Flickr-Zeit nie Fotos in der "What’s in my bag?"-Gruppe hochgeladen habe und hole dies hier und heute offiziell nach.

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