15. Januar 2018

Die neue Mode

In ihrer Dissertation "Modenschauen. Die Behauptung des Neuen in der Mode" aus dem Jahr 2015 stellt die Kulturwissenschaftlerin Alicia Kühn folgende These auf: Um davon abzulenken, dass die Mode schon lang nichts Neues mehr hervorbringt und alles nur Zitat ist, müssen die Modehäuser und ihre Designerinnen und Designer immer aufwendigere Modenschauen an immer ungewöhnlicheren, überraschenderen und vor allem an instagramierbaren Orten inszenieren. Es ist nicht mehr so wichtig, was auf dem Laufsteg gezeigt wird, sondern wo die Schau stattfindet, wie sie inszeniert ist, wer anwesend ist und wie das Ganze auf Instagram rüberkommt – so ungefähr.

Wollte nicht Alessandro Michele, Chefdesigner von Gucci, eine seiner Kollektionen auf der Akropolis zeigen? Und soll dafür angeblich zwei Millionen Euro geboten haben? Die Griechen, entweder sehr klug oder total doof, haben das abgelehnt. Die Gucci-Schau hat dann in den Uffizien stattgefunden. Oder war es Westminster Abbey?

Ich jedenfalls bin froh, dass ich über die oben genannte Dissertation gestolpert bin, denn vor einigen Tagen habe ich mich in ein Outfit aus der Pre-Fall-2018-Kollektion von Chloé verliebt. Wenn die Pre-Fall-Kollektion die Vorbotin der eigentlichen Herbst-/Winterkollektion ist, die so ungefähr ab Juli/August in den Läden hängt, dann müsste die Pre-Fall-Kollektion ab Juni zu haben sein. Den Finanzierungsplan, wie ich bis dahin ungefähr 1600 Euro für zumindest die Hose und die Turnschuhe beiseitelegen kann, brauche ich nun nicht mehr, denn wenn mir die Mode sowieso nichts Neues bietet, kann ich das Outfit ja auch gleich mit alten Klamotten nachstylen:


Je länger ich die beiden Outfits vergleiche, desto mehr kommen wir Zweifel an Kühns These. Die Chloé-Hose und die Chloé-Turnschuhe wirken sehr neu auf mich! Auch wenn die Wissenschaft das Gegenteil behauptet!

Wo allerdings etwas dran sein könnte, ist Kühns Einschätzung, warum die Berliner Fashion Week, die es seit 2007 gibt und die heute losgeht, einfach nicht zünden will: "Zunächst einmal ist so eine Schau ein riesiger Kostenfaktor [...]. Das können sich aber längst nicht alle Berliner Designer leisten. [...]. Es ist aber so, dass ohne großen Pomp mehr auf die Kleider geschaut wird, und dann fällt die Kritik oft größer aus, denn viel Show lenkt ja auch schön ab. Vielleicht ist das der Grund, warum die Modestadt Berlin international nicht so anerkannt ist. Man sieht deutlicher, dass das Gezeigte nicht so bahnbrechend ist. In Paris ist das nicht anders, aber die inszenieren das Drumherum besser."

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15. November 2017

How to dress like Higgins

Oh. My. God. Higgins ist tot! Nein, natürlich nicht. Higgins lebt! Und nun, nachdem sein Darsteller John Hillerman letzte Woche gestorben ist, ist es unsere Pflicht, Higgins unsterblich zu machen –
indem wir uns Higgins zum Stilvorbild nehmen.

Jonathan Quayle Higgins III. hat genau vier signature looks. Der erste ist sein Tropen- oder Safarianzug, wahlweise mit langen oder kurzen Hosen (dann mit Kniestrümpfen). In diesem Outfit nimmt Higgins alle Aufgaben wahr, die er als Majordomus von Robin Masters Anwesen wahrnehmen muss: Beispielsweise die Pflege der Bougainvillea oder des Rasens, der nur dem ungeübten Auge wie ein gewöhnlicher Vorstadtrasen erscheint: Es handelt sich vielmehr um einen kunstvoll gemischten Teppich aus Bahia, Kentucky-Blaugras und Afrikanischem Zoysia!

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Higgins Safarianzug ersetzen wir durch einen Anzug von F.R.S. mit inkorporiertem Tropenfeeling – schließlich leben die wenigsten von uns auf Hawaii. Dazu die legendären Gucci-Tennissocken und die Wallabees von Clarks, wahlweise gehen auch die Desert Boots.

Der zweite signature look von Higgins besteht aus einem dunkelblauen Club-Blazer mit Goldknöpfen, hellen Hosen und einer gestreiften Krawatte. Dieses Outfit trägt Higgins in Situationen mit semi-formellem Charakter: Beispielsweise als Stellvertreter von Mr. Masters im Vorstand des King Kamehameha Clubs, als Mitglied im Vollblutzüchterverband von Hawaii, als Vizepräsident ehrenhalber im Yachtclub, als Leiter des Einkaufskomitees der Société du Vin, als Vorsitzender des Britischen Seemannfonds, als Vorsitzender der Gesellschaft für unterprivilegierte Kinder, als Mitglied bei den Anglo-polynesischen Gelehrten der See, als Vorsitzender der Englischen Gesellschaft der Sandwich-Inseln, als Mitglied der Historischen Gesellschaft der Aloha, als Ehrenvorsitzender der Söhne des Empire, als Vorsitzender des Vereins zur Rettung des dreiteiligen Palolowurmes, als Mitglied im anglo-franco-hawaiianischen Veteranenverein sowie als Mitglied des anglo-polynesischen Wohlfahrtsvereins.

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Unser Club-Blazer trägt nicht wie der von Higgins das Abzeichen des Yorkshire Regiments, sondern stammt von Dries van Noten; die gestreifte Krawatte ersetzen wir durch eine Seidenhalstuch und mit einem hellblauen Hemd von Balenciaga, einer weiten hellen Hose und den weißen Gucci-Loafern sind auch wir für alle gesellschaftlichen Tagesereignisse gerüstet.

Ganz selten ist Higgins einmal krank; wenn dies der Fall ist oder wenn er zusammen mit den Dobermännern Zeus und Apollo eine der weniger bekannten Verdi-Opern anhören möchte, trägt Higgins seinen Hausmantel:

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Natürlich ist Higgins auch abends angemessen gekleidet: Bei zwanglosen Abendessen auf dem Anwesen mit dunklem Samtblazer und Halstuch, bei formellen Anlässen im dinner jacket:

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Zu dem Tom-Ford-Jackett tragen wir ein weißes T-Shirt und Leder-Leggings. Ob es diese sagenhaften weinroten Gucci-Stiefeletten im Gucci-Store auf der Kalakaua Avenue in Waikiki gibt? Oder in dem auf dem Ala Moana Boulevard? Diese Frage muss unbeantwortet bleiben, genau wie die Frage, ob Higgins in Wirklichkeit Robin Masters ist.

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7. November 2017

Read My Pins

Dass ich Broschen mag, wisst ihr bereits, und dass ich mit Hochdruck daran arbeite, eine feine alte Dame zu werden, dürfte ebenfalls bekannt sein. Neu ist, dass ich vor wenigen Tagen in beiden Disziplinen meine Meisterin gefunden habe: Madeleine Albright, former Secretary of State beziehungsweise Außenministerin der USA während der Clinton-Administration.

Leute, macht eine Google-Bildersuche mit dem Begriff "Madeleine Albright" oder gestaltet ein Pinterest-Board mit dem Titel "Madeleine Albright's Brooches", egal, aber schaut euch diese Broschensammlung an!


In ihrem Buch "Read My Pins" plaudert Albrigth herself aus dem Schmuckkästchen und verrät, dass ihre Broschen nicht nur Schmuckstücke, sondern auch Übermittler diplomatischer Botschaften sind: So trug sie, nachdem Saddam Hussein sie als "unparalleled serpent", also als "beispiellose Schlange" bezeichnet hatte, ostentativ ihre Schlangenbrosche am Revers.

Wir verdanken Madeleine Albright natürlich nicht nur eine exquisite Broschensammlung, sondern auch folgende Weisheit: "There's a special place in hell for women who don't help other women." Und jetzt kommt es: Wäre es nicht eine Spitzenidee, wenn Maria Grazia Chiuri, Chefdesignerin bei Dior, die, wie ihr alle wisst, ihre Kollektionen immer mit feministischen Botschaften versieht ("We should all be feminists"), in der nächsten Kollektion genau diesen Albright-Spruch als Brosche herausbringt? Ich würde diese Brosche jedenfalls kaufen.

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22. Oktober 2017

Karierte Hosen

Das Problem der karierten Hose ist: Sie ist in diesem Groß-Britannien-Punk-Landadel-Narrativ gefangen. Das kann man sehr schön an dem britischen Traditionshaus Burberry sehen, dessen ikonisches „Burberry check“ Fluch und Segen zugleich für die Marke bedeutet. Saison um Saison bemüht sich das Haus, seinem Erbe gerecht zu werden, ohne dabei schlimm zu langweilen. Das ist mit der aktuellen Kollektion gelungen, auch wenn sie aus der oben beschriebenen Nummer nicht herauskommt:

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Der Haken an der Sache: Es sind nicht diese Entwürfe, die im Mainstream ankommen, sondern es sind die Burberry-Basecaps, die Burberry-Handtaschen und der Burberry-Schal, alle im Burberry check. Und karierte Hosen werden ausschließlich mit schwarzen Strickpullis und schwarzen Chelseaboots getragen. Ein okayer, aber etwas langweiliger Look.

Aber soll ich deswegen meine karierte Wollhose der Marke Theory aussortieren? Niemals!

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Look 1: Der bescheidene Versuch, eine karierte Hose mit einer Prada-Sonnenbrille zu italisieren. Der Pulli ist mit weißen Knöpfen verziert, außerdem angepinnt: Zwei Gartentischtuchbeschwererclips in Form einer Weintraube und einer Birne. Den V-Ausschnitt trage ich nach hinten, schließlich bin ich modetechnisch in den Achtzigern sozialisiert. Ob Alison Moyet und Lisa Stansfield ihre V-Ausschnitt-Pullis heute ebenfalls noch verkehrt herum anziehen? Ich möchte fast wetten.

Look 2: Das Bekleidungspendant zum No-Make-Up-Make-Up, bei dem man sich sehr sorgfältig schminkt, um wie ungeschminkt auszusehen. Dieser Look sagt: Ich habe heute morgen gar nicht bemerkt, dass ich eine karierte Hose angezogen habe. Und rote Socken. Deswegen trage ich auch eine x-beliebige, uralte Sportjacke dazu. Was für ein Zufall, dass die dunkelblauen Treter perfekt dazu passen.

Look 3: Als verlässliches Modeopfer stopfe ich mir meine Haar selbstverständlich Phoebe-Philo/Céline-mäßig in den Rollkragen. Der Look selbst ist weniger eine Plädoyer für karierte Hosen als eines für Streifen – die passen nämlich zu einfach allem!

Ob es mir gelungen ist, das Narrativ der karierten Hose zu konterkarieren? Ein bisschen vielleicht. Aber das Wortspiel mit der konterkarierten karierten Hose finde ich ziemlich gut!


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3. Oktober 2017

Der Mehrere-Taschen-Trend

Seit einigen Saisonen, Saisons und Seasons sieht man auf den internationalen Laufstegen den Mehrere-Taschen-Trend: Man trägt nicht nur eine Handtasche, sondern mindestens zwei. Eine prima Sache für Leute, die sich (a) morgens nicht für eine Tasche entscheiden können und (b) keine neue Tasche kaufen wollen, nur um im Trend zu liegen. Man trägt einfach zwei oder drei der alten Handtaschen gleichzeitig! Genial.

Gucci bietet Taschen an, die man nach dem Mix-and-Match-Prinzip aneinanderhaken kann:

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Bei Fendi kann man an den Gurt der Handtasche mehrere kleine Täschchen knöpfen oder man entscheidet sich für drei schmale Etuis, die ein Metallring zusammenhält:

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Auch bei Chloé werden mindestens zwei Taschen mit einem Karabiner zusammengehalten, Céline schlägt vor, eine kleine Tasche mit dem Riemen an eine größere Tasche zu knoten und bei Valentino trägt man eine kleine Umhängetasche und eine noch kleinere kleine Umhängetasche crossbody übereinander:

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Die entscheidende Frage in der Causa Mehrere-Taschen-Trend lautet übrigens nicht: Wieso sollte ich mehrere Handtaschen tragen? Sie lautet: Wieso sollte ich nur eine Handtasche tragen?

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16. Juli 2017

Three is a trend

In einer der letzten Ausgaben von The Edit, dem wöchentlich erscheinenden Magazin des Online-Luxusklamotten-Händlers Net-a-porter, lese ich, dass der Minirock derzeit sein offizielles Comeback feiert. Mist. Offensichtlich ist mir entgangen, dass der Minirock weg vom Fenster war, denn unverzagt bin ich den ganzen Winter über mit meinem grünen und mit meinem gelben Woll-Minirock und Strumpfhosen durch die Gegend gelatscht.

Damit mir ein solcher Fashion-Fauxpas nicht noch einmal passiert, forste ich sofort die letzten fünfzehn bis zwanzig Ausgaben von The Edit nach den aktuellen Trends durch, um völlig verwirrt zurückzubleiben: Nicht nur feiert der Minirock sein Comeback, auch der Midi-Rock aus Baumwolle und der Karo-Rock haben laut The Edit derzeit ihren Moment. Außerdem trägt man, so lese ich, Karos zu Karos, aber nur wenn es sich um "moderne Karos" handelt. Ebenfalls modern sind "moderne Strohtaschen" und "moderne Sonnenbrillen", letztere müssen aber zugleich einen Retro-Look aufweisen. Ebenfalls en vogue, so heißt es in The Edit, sind Kleider mit Retro-Flair sowie Retro-Cardigans. Nichts falsch machen kann man außerdem mit allem rund um das Thema "Statement": Ich lese von Statement-Hosenanzügen, Statement-Ohrringen, Statement-Sandalen, Statement-Hemden und Statement-Taschen. Während die Statement-Taschen rot sein müssen, sind Schultertaschen hingegen elfenbeinfarben, alle anderen Taschen sollten, wenn ich das richtig verstanden habe, mehrfarbig sein. "Glitzer und Glanz" konkurriert mit "Ton in Ton" und gedeckten Farben, "androgyne Coolness" wird eine Woche später von "cooler Nonchalance" abgelöst. Angesagt sind laut The Edit neben den bereits erwähnten Kleidern mit Retro-Flair außerdem bedruckte Kleider, weiße Spitzenkleider, feminine Kleider, Power-Cocktailkleider, dekonstruierte Kleider, One-Shoulder-Kleider, Kleider in Colour-Blocking-Optik, Kleider mit asymmetrischen Säumen sowie dunkle Blumenkleider. Nicht zu vergessen die bodenlangen Hosen, die Hosen mit Print-Muster, die weiten Hosen mit Print, die weiten Hosen in khaki, lockere Hosen, Cargo-Hosen, Jogging-Hosen, Heritage-Blazer, Oversized-Blazer, karierte Blazer, Tops mit Glockenärmeln, schulterfreie Tops, verkürzte Tops, kurzärmlige Stricktops, Strickpullover mit Verzierungen und Supersize-Pullover.

Mich beschleicht ein Verdacht: Ist möglicherweise einfach alles Trend? Kann man möglicherweise einfach alles zum Trend ausrufen? Wie sonst soll ich es verstehen, dass laut The Edit sowohl minimalistische Pantoletten wie auch verspielte Pool-Pantoletten up to date sind? 

Wenn das so ist, rufe ich hiermit folgenden Trend aus: Statement-Schmuck mit Tier-Motiven im Retro-Look. Wie praktisch, dass ich davon drei Exemplare habe! Ein Schlangenarmband aus Silber, eine Vogelbrosche aus Blech und eine Frosch-Brosche aus Strasssteinen. Und ihr wisst ja: One is an example, two is a coincidence, three is a trend!


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25. Mai 2017

Bericht aus Venedig und aus Triest

Sackkarren in allen Farben, Formen, Größen und Variationen, Müllboote, DHL-Boote, Vaporettos, Handwerkerboote, Rettungsboote – Venedig ist ein Paradies für Logistikliebhaber und man kann Stunden damit zubringen, sich immer komplexere Transportszenarien auszudenken und sich zu fragen, mit welch findiger Lösung die Lagunenstadtbewohner wohl aufwarten. Vaporettofahren macht einen Heidenspaß und ich bin der Meinung, die EU-Behörden in Brüssel sollten allen EU-Mitgliedsstaaten vorschreiben, dass dieser spezielle Grünton, für den es sowieso noch keinen richtigen Namen gibt (ich spreche von Grünspangrün, manche nennen diesen Ton auch Säuregrün) und in dem die Innenausstattung der Vaporettos gehalten ist, ab jetzt für alle verbindlich Vaporettogrün heißt:


Die Venezianer sind nicht nur transportbesessen, sie sind auch hundeverrückt; wobei dies auch für die Triestiner und möglicherweise für ganz Italien gilt. Ohne Hund braucht man sich eigentlich überhaupt nirgendwo blicken zu lassen, wenn man bella figura machen möchte. Besonders beliebt sind diese kleinen weißen Exemplare und ich weiß auch, wieso – ein Besuch in der Galleria Franchetti im Ca' d'Oro brachte Aufschluss. Dort hing folgendes, ich vermute aus den Uffizien ausgeliehenes Bild des italienischen Renaissancemalers Dosso Dossi ("Allegoria di Ercole"):


Genau mit so einem Hund (oder zweien oder dreien) rennt nicht nur ganz Venedig und ganz Triest, sondern wahrscheinlich halb Italien durch die Gegend! Um welche Hunderasse es sich handelt, weiß ich nicht, ich nenne diesen Hund jedenfalls Italiens Antwort auf den Deutschen Schäferhund.

Und was wäre Italien, ginge man nicht mit einer Style-Inspo nach Hause? Meine kommt von Flavio Briatore, der in einer TV-Talkshow auf La7, in die ich zufällig reingeschaltet hatte, mit folgender Äußerung für Aufruhr sorgte: "Chi cerca lavoro lo trova, altri mangiano spaghetti con la mamma", was wohl in etwa "Wer Arbeit sucht, findet sie auch, alle anderen essen Spaghetti mit Mama" heißt. Ich verfolge nicht, was Flavio Briatore macht, und so ist es mir auch entgangen, dass er nicht mehr seine Signature-Brille mit den blauen Gläsern trägt, sondern dieses Hammermodell:


Genau so eine Brille brauche ich! Und wenn man wählen muss zwischen arbeiten und Spaghetti essen mit Mama, ist ja wohl klar, wie die Entscheidung auszufallen hat.

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7. Februar 2017

Der Balmain-Blazer

Einer meiner Deutschlehrer behauptete einmal, man könne die Epochen der Literatur als Reifungsprozess verstehen, der auch an der individuellen Entwicklung des Menschen nachvollziehbar sei: Sturm und Drang = Jugend, Weimarer Klassik = Erwachsenenalter, so in etwa. Nicht nur bin ich sehr dankbar, dass man mich in der Schule mit derartigen Smalltalk-Themen ausgestattet hat (es ist wirklich ein hervorragender Icebreaker, sich auf einer Party darüber zu unterhalten, ob man sich in Sachen innere Entwicklung derzeit in der Romantik oder im Biedermeier befindet oder ob man womöglich schon vormärzliche Tendenzen in sich spürt), nein, ich hoffe auch schwer, meinen Deutschlehrer nicht missverstanden zu haben, denn die Vorstellung, im Alter dann postmodern zu sein, ist enorm bestechend!


Möglicherweise bin ich sogar schon in die Phase meiner persönlichen Postmoderne eingetreten, denn anders kann ich es mir nicht erklären, warum ich auf einmal über die Anschaffung eines marineblauen Pierre-Balmain-Blazers mit dicken Goldknöpfen nachdenke – ein Kleidungsstück, das mein Sturm-und-Drang-Ich als konservativ, mein Biedermeier-Ich als laut und prollig und mein Expressionismus-Ich als angepasst bezeichnet hätte. Mein postmodernes Ich hingegen hat sich längst vom Prinzipiellen verabschiedet, alles ist erlaubt, auch ein Balmain-Blazer mit dicken Goldknöpfen.

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27. November 2016

Frischzellenkur

Kennt ihr das? Da hat man eine sorgfältige zusammengestellte, hochwertige Garderobe – das ein oder andere Designerstück ist auch dabei – und trotzdem denkt man morgens beim Anziehen: Schön, aber irgendwie langweilig! Ich bin "stuck in rut" wie man im englischsprachigen bzw. "stuck in fashion rut" wie man im modeaffinen englischsprachigen Raum sagt und mein Kleiderschrank braucht dringend eine Frischzellenkur in Form dieses einen Teils, das die komplette Garderobe auf edgy dreht.

Der Máximo Líder, 90-jährig, im Adidas-Trainingsanzug bei einer Veranstaltung der Kommunistischen Partei im April 2016

Ist es nicht ein Treppenwitz der Geschichte, dass der vor wenigen Tagen verstorbene Fidel Castro mit einem seiner letzten Outfits der Impulsgeber ist, nun endlich den Tracksuit- also Trainingsanzug-Trend in meine Garderobe zu inkorporieren? Wahrscheinlich nicht. Um ehrlich zu sein, ich weiß überhaupt nicht, was ein Treppenwitz der Geschichte ist. Aber witzig ist es natürlich schon!

Drei Trainingsanzug-Outfits, inspiriert von el comandante en jefe Fidel Castro

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10. September 2016

Meine Jeansstory

Vor 14 Tagen habe ich mir eine neue Jeans gekauft und sie seither jeden Tag getragen. Und Leute: Ich finde diese Jeans dermaßen schön, schön, schön, dass ich sie auch noch die kommenden 365 Tage tragen werde, non-stop. Selten war ich so verrückt nach einer Jeans – wenn ich zurückdenke, eigentlich nur zweimal in meinen Leben. Ich erinnere mich an das Jahr 1981 oder 1982, als ich meine erste richtige Jeans bekommen habe. Richtig bedeutete damals

a) die Jeans muss entweder von Levis oder Wrangler sein
b) die Jeans muss aus schwerem, dunklem Denim sein (mid waist, straight leg)
c) die Gehfalten in der Kniekehle müssen deutlich sichtbar und vor allem dauerhaft sein

Jeans, die diese Kriterien nicht erfüllten, waren keine Jeans, sondern allenfalls Jeanshosen, mitunter sogar mit Chemiefaseranteil und permanenter Bügelfalte. Mit meiner ersten richtigen Jeans habe ich plötzlich in einer anderen Liga gespielt, glaubt es mir. Dazu trug ich dunkelblaue Kickers (nicht die zum Schnüren, sondern die mit dem Stretcheinsatz an den Seiten und den Kreppsohlen) sowie meinen „University-Pulli“, ein dunkelblaues Sweatshirt, das auf der Vorderseite mit dem Emblem eines imaginären amerikanischen Colleges bedruckt und schon ziemlich verwaschen und spröde war; dadurch hatte es einen leichten, kaum wahrnehmbaren Lila-Einschlag. Ein extrem starkes Outfit, das ich genauso auch heute noch tragen würde.

Den zweiten krassen Jeansmoment hatte ich im Sommer 1986, es kann auch 1987 gewesen sein. Ich hatte einen Ferienjob bei einem inhabergeführten Mittelstandsunternehmen, das sich mit der Herstellung und dem Verkauf von Berufsbekleidung befasste. Meine Hauptaufgabe bestand darin, lange schmale Stoffstreifen in eine Spezialnähmaschine zur Herstellung von Gürtelschlaufen zu schieben. Einmal sollte ich etwas vom Dachboden holen – mir stockte der Atem, als ich zwischen dem typischen Dachbodengerümpel eine Original Levis 501 fand, und zwar nicht irgendeine Levis 501, sondern eine „Big E“. Kennerinnen und Kenner der Jeansgeschichte wissen, dass der Levis-Schriftzug auf dem kleinen roten Etikett an der Gesäßtasche vor 1971 mit einem großen E geschrieben wurde. Bei allen Levis-Jeans, die nach 1971 hergestellt wurden, hatte der Schriftzug ein kleines e. Eine Levis 501 „Big E“ bekam man, wenn überhaupt, nur in der Garage, dem legendären 2nd-Hand-Laden in Berlin! Und hier lag direkt eine vor mir! Im genau richtigen Abgenutzt-und Verwaschenheitsgrad! Bei dem Teil handelte es sich definitiv um eine Jeans aus dem Privatbesitz des Inhabers des Unternehmens, Herrn Z. Wie oh wie nur könnte die Jeans in meinen Besitz gelangen? Ich konnte an nichts anderes mehr denken.

Links big E, rechts small e

An meinem letzten Arbeitstag fragte mich Herr Z., ob ich mir zum Abschied etwas aus dem Laden aussuchen möchte. Klar, man kann auch mit einem Blaumann einen guten Look stylen, aber ich nahm all meinen Mut zusammen und sagte, dass ich gern die Dachboden-Levis hätte. Herr Z. war kurz irritiert, wies mich auf die extrem schwere Qualität der Hose hin und dann: Aber ja, natürlich, du darfst die Jeans mitnehmen! Leute, ich war glücklich.

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