13. April 2014

Die Fete geht weiter

Da will ich einmal am Puls der Zeit sein und ganz schnell über den allerneusten Trend #Normcore berichten – und nicht wie sonst immer erst dreißig Jahre später, wenn ein Trend erneut ausgegraben wird – verreise dann allerdings ein paar Tage, nur um zurückzukommen und feststellen zu müssen, dass sich die ganze Aufregung um diesen neuen Trend schon wieder gelegt hat.

Mittlerweile ist es auch egal, dass keiner genau weiß, was es eigentlich mit Normcore auf sich hat. Dass man sich nicht mehr individuell, sondern ganz normal anziehe, das sei Normcore, kann man im Netz lesen. Anderswo heißt es, Normcore bedeute, sich wie ein amerikanischer Tourist zu kleiden in Fleecejacke, T-Shirt, ganz normalen Jeans und irgendwelchen Turnschuhen. Überhaupt: Ganz normale Jeans-Sachen scheinen für eine korrekte Umsetzung von Normcore essentiell zu sein! Das Aufgehen in der Masse sei das Ziel bei diesem neuen Trend und der Patenonkel aller Normcore-Anhänger sei Steve Jobs, der ja nie etwas anderes trug als einen schwarzen Rollkragenpulli, ganz normale Jeans und irgendwelche Laufschuhe. Normcore halt!


Ich möchte allerdings folgendes festhalten: Wenn ich jetzt anfinge, mich wie Steve Jobs zu kleiden, könnte ich das mit dem Verschwinden in der Masse gleich vergessen, denn niemand, absolut niemand in meinem Umfeld kleidet sich wie Steve Jobs! Wie siehst Du denn aus, Rosine, krass, was geht denn bei Dir ab – das wären in etwa die Reaktionen, wenn ich ab morgen im Steve-Jobs-Normcore-Look durch die Gegend spazieren täte. Von wegen ganz normal! Was für den einen Normcore, ist für den anderen (in diesem Fall also mich) Abnormcore. Irgendwie funktioniert dieses Normcore-Konzept nicht.


Was auch immer man also unter diesem Begriff versteht, die schönste Interpretation von Normcore bietet für meinen Geschmack Sophie Marceau alias Victoire „Vic“ Beretton in den beiden La Boum-Filmen. Schon damals, Anfang der Achtziger, nachdem ich die beiden Filme gesehen hatte, dachte ich mir, was für ein normaler, aber doch irgendwie ganz hübscher Look. Kann ich mich genau dran erinnern, dass ich das gedacht habe.


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23. März 2014

For Your Eyes Only

Warum ist es noch mal gut, sich anti-zyklisch zu verhalten? Vor einigen Jahren, ich glaube so um die Jahrtausendwende herum, konnte man das überall lesen. Ob bei der Studienwahl oder beim Spekulieren an der Börse, wenn man nicht anti-zyklisch agiert, kann man gleich alles vergessen und endet als Modernisierungsverlierer. Ist das immer noch so? Gilt das noch? Wenn ja, möchte ich heute einmal ganz anti-zyklisch über James Bond reden: Der letzte Bond-Film, „Skyfall“, ist ja schon wieder Schnee von gestern und der nächste kommt erst im Herbst 2015 in die Kinos. Niemand redet derzeit über James Bond, ich allerdings schon. Anti-zyklisch is the key!

Stand der Dinge: Das Drehbuch für den vierundzwanzigsten 007 ist wohl fertig, Sam Mendes soll erneut Regie führen und angeblich wurde Penélope Cruz als Bond-Girl angefragt, die ja mit Javier Bardem verheiratet ist, der im letzten Bond den Bösewicht gespielt hat (beziehungsweise den Bond-Villain, wie wir Double-O-Seven-Experten sagen). Penélope Cruz wäre übrigens mit ihren 40 Jahren das älteste Bond-Girl aller Zeiten, aber da 50 ja das neue 30 ist, ist sie mit genaugenommen also 20 Jahren im perfekten Bond-Girl-Alter.

Ms Büro in "For Your Eyes Only"/"In tödlicher Mission". Säuregrün an der Wand und vier schicke Telefone auf dem Tisch. Das vordere zählt nicht, das ist nur ein Hausapparat, glaube ich.

Völlig offen ist indes die Frage nach dem Bond-Gegenspieler. Wer soll diese Rolle im neuen James-Bond-Film übernehmen? Die besten Bond-Bösen werden von Deutschen gespielt, so viel steht schon mal fest (oder natürlich von Österreichern als so eine Art Ersatz-Deutsche) – man denke hier bitte an Gert Fröbe als Auric Goldfinger in „Goldfinger“, Curd Jürgens als Karl Stromberg in „Der Spion, der mich liebte“ sowie Lotte Lenya als Rosa Klebb in „Liebesgrüße aus Moskau“. Und nicht zu vergessen: Klaus Maria Brandauer als Maximilian Largo in dem nicht autorisierten „Feuerball“-Remake „Sag niemals nie“. Diese Reihe, Lotte Lenya – Gert Fröbe – Curd Jürgens – Klaus Maria Brandauer, kann eigentlich nur eine logische Fortsetzung haben, nämlich Christoph Waltz. Auf den ersten Blick! Denn so sehr ich Christoph Waltz als Bond-Bösewicht begrüßen würde, scheint mir diese Besetzung fast schon ein bisschen zu auf der Hand liegend, zu mainstreamig, und je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass es nur einen geben kann, der den nächsten Bond-Gegenspieler adäquat verkörpern kann: Helge Schneider.

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3. März 2014

Comme Comme

Zum Glück ist die Gefahr, dass ich jemals über einen roten Teppich spazieren muss, relativ gering und ich hoffe schwer, dass das auch so bleibt, denn ich kann Abendmode nicht leiden. Ich möchte nicht direkt sagen, ich hasse Abendmode, zumindest nicht so sehr wie Open-Air-Festival-Mode, aber ich kann mit Kleidung für bestimmte Anlässe einfach nichts anfangen, ausgenommen vielleicht Sportklamotten und Nachtwäsche.

Ich mag Alltägliches, Adrettes und Hochgeschlossenes wie es Comme Des Garçons Comme Des Garçons (von Insidern gern Comme Comme genannt) in der Herbst/Winter-2014-Kollektion zeigt. I smell adrettness with a twist!

Comme Comme ist die Zweitlinie von Comme Des Garçons und Zweitlinien sind allein deswegen gut, weil man bei ihnen meist von scheußlicher Abendmode verschont bleibt. Während die Hauptlinie Comme Des Garçons allein dafür da ist, den Leuten immer wieder zu verklickern, dass es sich bei Comme Des Garçons um absolute Avantgarde handelt und die Shows, wie es bei Searching for Style auf den Punkt gebracht wird, hauptsächlich dazu dienen „... [to] sell more perfume and wallets …“ (auch ich habe einen Comme-Des-Garçons-Geldbeutel), ist die Zweitlinie Comme Comme natürlich mehr als nur die Abwesenheit von Abendkleidern. Die Zweitlinie Comme Comme ist total toll! Zumindest das, was für den Herbst/Winter 2014 vorgesehen ist:


Mal abgesehen von den putzigen Anzügen - die gelben Schuhe sind auch recht schick!

Bitte achtet auf die roten Pfeile!

Zu diesen beiden Blusen muss man wohl kaum etwas sagen.

So hübsch bzw. très très jolie. Und mir scheint, nächsten Winter sind endlich mal wieder Augenringe gefragt – damit kann ich dienen!

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2. März 2014

Roksanda Ilincic

Oha, was sind denn das für zwei hübsche Oberteile? Über einen Kauf wird nachgedacht!


Von Roksanda Ilincic stammen die, aus älteren Kollektionen. Das linke aus der Spring/Summer-2013- und das rechte aus der Fall/Winter-2013-Kollektion.

Moment mal, sagt man eigentlich überhaupt noch Kollektion? Hört sich das nicht seltsam altbacken an, fast so altbacken wie beispielsweise Mannequin? Wobei ich natürlich überhaupt nichts gegen die Verwendung des Wortes Kollektion habe und auch nicht gegen Mannequin – ich frage nur. Oder ist etwa die Durchkoppelung schuld daran? Wirkt der Begriff Kollektion weniger altmodisch, wenn ich Spring/Summer 2013 Kollektion schreibe? Schließlich wird die Durchkoppelung seit einiger Zeit von der Leerzeichen-in-Komposita-Version (besser bekannt als Deppenleerzeichen beziehungsweise ganz konsequent Deppen Leer Zeichen) be- und verdrängt. In den Niederlanden nennt man dieses Phänomen englische Krankheit („Engelse ziekte“) – bin ich etwa auch schon infiziert? Kommt mir das korrekte veraltet vor, nur weil der Trend das falsche als das richtige verbreitet?

Schweife ich eigentlich ab? Wollte ich nicht über Roksanda Ilincic schreiben, eine in Serbien geboren und in London lebende Modedesignerin? Da wir gerade davon sprechen: Findet Ihr eigentlich auch, dass der Begriff Designer sehr schwammig und schwer zu verwenden ist? Vor ein paar Jahren habe ich gelegentlich versucht, bei Ebay sogenannte Vintage-Designermode zu ersteigern. Altes Zeug aus den Achtzigern von YSL, Sonia Rykiel, so was in der Art. Sehr mühsam, kann ich Euch sagen, wenn die Leute dort ihre alten Esprit- und S.-Oliver-Klamotten unter dem Stichwort „Designer“ verticken. Aber wie spricht man korrekterweise über eine Designerin wie Roksanda Ilincic? Bei großen Namen ist das kein Problem, man redet vom Hause Chanel oder vom Hause Dior oder einfach nur von Chanel und Dior, aber ganz sicher nicht vom Hause Roksanda Ilincic! Ist es die Marke Roksanda Ilincic? Oder die high-fashion-Marke Roksanda Ilincic? Und schreibt man in diesem Fall das h von high und das f von fashion groß? Und ganz wichtig: Interessiert das überhaupt irgendjemanden?

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6. Februar 2014

Omelette norvegiénne

Ist es eigentlich pietätlos, darüber nachzudenken, was einmal mit dem Hause Chanel passieren wird, wenn Karl Lagerfeld tot ist? Wir alle wissen, dass der Ruhm von Chanel zu gleichen Teilen zwei Personen zuzuschreiben ist, nämlich Coco Chanel und Karl Lagerfeld, und auch wenn Lagerfeld ob all der visionären Sachen, ob all dieser Jetztzeitdinge, die er mühelos ohne Punkt und Komma hervorbringt, unsterblich wirkt, wird er einmal sterben und ich frage mich, ob von den Chanel-Verantwortlichen bereits Vorkehrungen für diesen Moment getroffen werden.

Gibt es geheime Meetings, in denen über mögliche Nachfolger gesprochen wird? Oder wenden sich die Chanel-Chefs mit dieser Frage ganz offen an Lagerfeld selbst: Karl, wer soll einmal Dein successeur werden? Wer, meinst Du, kann in Deine Fußstapfen treten? Welchen jungen Designer, welche Designerin sollen wir nach Deinem Tode verpflichten?

Möchte nicht jemand nach Paris in die Rue Irgendwas reisen, diese Frage für mich klären und eine zugleich traurige und amüsante Dokumentation über Karl Lagerfeld daraus basteln? Es kann ja überhaupt nicht genug Dokumentationen über Karl Lagerfeld geben! Besonders schön ist diese hier –  immer und immer wieder sehe ich sie mir an und zwar aus folgenden Grund: Man kann diese Dokumentation einfach nicht oft genug anschauen.


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19. Januar 2014

Yoko Ono

Seit ich vor ein paar Wochen auf einer Geburtstagsfeier nolens volens an einem Konzert von Madlick teilnahm, läuft bei mir nichts anderes mehr als „Hey Yoko Ono“:


Dieser Song war das Geburtstagsständchen von Madlick für Yoko Ono, als sie letztes Jahr in der Volksbühne ihren 80. Geburtstag feierte, wo ihr zahlreiche Musiker und Musikerinnen, Künstlerinnen und Künstler die Ehre erwiesen. Ob Yoko Ono dieses Lied manchmal auch privat hört? Zuhause? Vielleicht, wenn es ihr nicht so gut geht? Mental, meine ich. Denn immerhin gehört Yoko Ono zu den meistgehassten Frauen der Welt! Das habe ich im Internet gelesen.

Dass Yoko Ono sehr gehasst wird, kann man leicht herausfinden, dazu muss man nur die Kommentare unter den Youtube-Videos lesen, die irgendetwas mit Yoko Ono zu tun haben. Aber woher stammt die Information, sie gehöre zu den meistgehassten Frauen der Welt? Gibt es irgendwo eine zentrale Stelle, die Buch darüber führt, welche Frau weltweit gerade am allermeisten gehasst wird? Wo kann ich diese Liste einsehen? Und vor allem: Wer steht da noch drauf? Auf die Schnelle fällt mir nur Alice Schwarzer ein, aber ich fürchte, Alice Schwarzer kann es in Sachen gehasst werden ganz sicher nicht mit Yoko Ono aufnehmen. Und wenn man sich auf den vorderen Plätzen dieser Liste tummelt, ist es da entscheiden, dass man von ganz vielen Leuten weltweit ein bisschen gehasst wird oder hat man auch eine Chance, wenn einen wenige Leute ganz extrem hassen? Quantität vs. Qualität – das alte Problem!

Folgende Gründe führen die Yoko Ono-Hasser für ihren Hass ins Feld:

1. Sie hat die Beatles auseinandergebracht.
2. Das ist doch keine Musik, was Yoko Ono macht, das ist doch nur Gekreische.

Die Gründe, warum ich Yoko Ono mag, sind folgende:

1. Plastic Ono Band ist ein super Band-Name.
2. Sogar die Lieder, in denen Yoko Ono ausnahmsweise mal nicht herumkreischt, sind spitzenmäßig – beispielsweise "Yes, I’m a Witch":


An Yoko Onos achtzigstem Geburtstag hat Peaches diese Nummer für/mit Yoko Ono aufgeführt. Wer das sehen möchte, kann gern HIER klicken (### ACHTUNG ### TRIGGER-WARNUNG ### enthält Kreisch-Parts ###).

Jetzt mal was ganz anderes: Findet Ihr es gut oder schlecht, dass ich seit kurzem hier so Sachen direkt einbinde und -bette? Videos, Musik und so weiter. Falls Ihr es schlecht findet, könnt Ihr mir gern ein paar Hasskommentare unten hinterlassen. Oder Ihr macht einen shitstorm auf Twitter, das wäre natürlich auch eine Möglichkeit. Falls Ihr es gut findet, müsstet Ihr dann natürlich dementsprechend einen lovestorm machen.

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5. Januar 2014

Säuregrün

Schade, dass man ab einem bestimmten Alter selten die Gelegenheit hat, Steckbriefe oder Fragebögen auszufüllen, in denen nach der Lieblingsfarbe gefragt wird. Zu gern würde ich in einem solchen Steckbrief vermerken: Lieblingsfarbe Säuregrün. Ist es nicht total witzig, dass eine so schöne Farbe eine Bezeichnung erhält, die an umgekippte Reagenzgläser, an brodelnde, ekelhafte, giftige Flüssigkeiten, an verätzte Oberflächen und an Übelkeit denken lässt? Ich finde das enorm witzig.

Die erste schicksalhafte Begegnung mit der Farbe Säuregrün hatte ich in Gestalt meines Marni-Tops, von dem hier nicht zum ersten Mal die Rede ist:

Sieht aus wie hellblau, ist in fact aber säuregrün!

Neben diesem Oberteil besitze ich in der Farbe Säuregrün einen alten Kachelofen, einen Stuhl sowie eine Tasse, und auch die Wand in meinem Badezimmer kann man getrost als säuregrün bezeichnen:


Gewiss, die Geister scheiden sich daran, was genau eigentlich säuregrün ist! Ist das noch säuregrün oder doch schon lindgrün? Oder mint? Oder gelbgrün? Vielleicht sogar grasgrün? Bei Yoox, wo ich ganz gern einkaufe, kann man diese Entscheidung anderen überlassen. Man tippt einfach „säuregrün“ als Suchbegriff ein und bekommt unter anderem folgende Items vorgeschlagen:

Equipment, MSGM, Nike, Marni, Catarina Martins, Faliero Sarti, Maitri

Eine Auswahl, mit der ich einverstanden bin – all diese Farbnuancen lassen sich, finde ich, hervorragend unter dem Begriff Säuregrün subsumieren.

Wie Ihr alle wisst, hat die weltweite Farbautorität Pantone „Radiant Orchid“ als Farbe des Jahres 2014 ausgerufen. D’accord! Radiant Orchid ist ein schön rauchiges, fliederesques, für Protestanten sehr katholisch anmutendes Lila. Dennoch – für mich ist Säuregrün die Farbe für 2014. Immerhin darf Säuregrün laut Pantone als supporting cast bei den Frühlingsfarben 2014 mitwirken, und zwar unter anderem Namen in der Nuance „Hemlock“. Hier erklärt Leatrice Eiseman, Executive Director des Pantone Color Institute, warum:


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14. Dezember 2013

Filofax

Der Dezember ist nicht nur traditionell der Monat der Jahresrückblicke, sondern auch der Monat, in dem Zukunft geplant wird, und zwar mittels Anschaffung eines neuen Kalenders.


Als junger Mensch war ich mal kalendersüchtig. Nicht, dass ich neben „Matheklausur“, „Schulball“ und „Fugazi-Konzert in München“ großartig Termine gehabt hätte; ich nutzte meinen Kalender eher als Mittel zur Selbstvergewisserung, indem ich rückwirkend mit sehr viel Liebe zum Detail notierte, wie ich den lieben langen Tag verbracht hatte. Dieses und jenes habe ich gemacht, da und dort bin ich gewesen, das bin ich, und wenn man es nicht aufschreibt, hat es nicht stattgefunden – so ungefähr.


Vielleicht kann man das mit Instagram heutzutage vergleichen: Was nicht fotografiert, hochgeladen und geteilt wird, existiert nicht. Nur dass bei Instagram aus der Selbstvergewisserung Fremdbestätigung wird. Wobei: Die Inhalte meines Kalenders damals hätte ich niemals mit anderen geteilt und als ich einmal meinen Kalender in der Stadtbibliothek verloren hatte, lief ich einige Zeit mit dem sehr, ich betone, sehr unbehaglichen Gefühl durch die Gegend, dass jetzt irgendjemand recht viel über mich weiß. Ich stelle also fest: Man kann Instagram und Kalender doch nicht miteinander vergleichen. Vergesst den letzten Abschnitt, da wollte ich wohl auf Teufel komm raus einen Zusammenhang herstellen. Früher war ich kalendersüchtig, heute bin ich Zusammenhang-herstell-süchtig.


Mir war schon klar, dass dieses Kalenderführen eine leicht zwanghafte Note hat und insgeheim bewunderte ich Leute, die keinen Kalender hatten. Matheklausur? Mir doch egal! Trotzdem konnte ich von den Kalendern nicht lassen. Keinen Kalender führen kam für mich gleich nach Schule abbrechen und keine Ausbildung machen.


Deshalb kaufe ich mir jedes Jahr im Dezember einen neuen Kalender, ich kann nicht anders. Natürlich schreibe ich nicht mehr jeden Mist hinein, sondern nur noch wirklich wichtige Sachen wie 14 Uhr Team-Meeting, 16 Uhr TelKo, 12 Uhr 30 Mittagessen mit Kollegin XYZ, samstags vielleicht noch „Sachen aus der Reinigung abholen“. That’s it! Aber ein Kalender muss sein.


Weil ich klassikersüchtig bin, habe ich mir dieses Jahr einen Filofax gekauft. Filofax – The Original! Ihr seid vertraut mit dem Filofax-Prinzip? Nein? Man hat ein meist ledergebundenes Ringbuch, den Filofax, das man immer wieder verwenden kann, lediglich die Einlagen werden jedes Jahr erneuert. Und Einlagen gibt es zahlreiche! Neben den Kalendereinlagen, bei denen man zwischen ein Tag auf einer Seite, eine Woche auf einer Seite, eine Woche auf zwei Seiten, ein Monat auf zwei Seiten, einer aufklappbare Jahresansicht und einigem mehr wählen kann, gibt es weitere Extraeinlagen wie To-Do-Listen, Listen für Kontoübersichten, Listen für Finanzplanungen, Adresseinlagen, Geburtstagskalender, Wochenstundenpläne, verschiedene Register und vieles mehr. Jeder soll sich einen seinen Bedürfnissen exakt angepassten Kalender zusammenstellen können, so der Gedanke hinter dem Filofax-Prinzip. Sogar Menstruationskalender bietet Filofax an.

Allein Hasslisten gibt es keine – leider! Was hatte ich früher Spaß beim Führen meiner Hassliste, auch Hass-Hitparade genannt. Jeden Sonntag habe ich meine Hass-Top-Ten zusammengestellt, mit Auf- und Absteiger der Woche, re-entry, new-entry usw. Meist tummelten sich bescheuerte Lehrer, nervige Typen, Tussis und bekloppte Mitschüler auf den vorderen Plätzen und als wir das Nibelungelied durchnahmen, konnte sich Hagen von Tronje sogar mehrere Wochen auf Platz Eins halten. Die Hassliste ist neben der To-Do-Liste als Kategorie in meinem neuen Filofax also auf jeden Fall gesetzt!


Neulich habe ich einmal das Stichwort Filofax bei Youtube eingegeben. Ich hatte ja keine Ahnung! Videos mit Titeln wie “How to keep your life organized with a Filofax”, “My Filofax”, “My Filofax Setup”, “My detailed Filofax Setup”, “Update look at my personal Filofax”, “What’s in my Filofax?”, “My very first Filofax and how I set it up” zeigen, dass Kalendersucht ein Riesenproblem darstellt! Von der Dunkelziffer ganz zu schweigen. In Anlehnung an das berühmte Jesus’sche Diktum möchte man den Leuten zurufen: Der Kalender ist um des Menschen willen geschaffen und nicht der Mensch um des Kalenders willen! Trotzdem ist es natürlich enorm beruhigend zu wissen, dass es Leute gibt, die in Sachen Kalender schlimmer sind, als man selbst jemals gewesen ist.

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1. Dezember 2013

U-Bahnhof-Fliesen-Rätsel N°24

Weil die letzten U-Bahnhof-Fliesen-Rätsel derart einfach waren, wird das heutige U-Bahnhof-Fliesen-Rätsel exorbitant schwer. Entweder ganz leicht oder ganz schwer, dazwischen gibt es eigentlich nichts. Good cop, bad cop. Mittelmaß hat hier auf diesem Blog nichts verloren und folglich auch nichts zu suchen!

Nein, Quatsch, natürlich nicht. Ich scherze.


Der gesuchte U-Bahnhof ist nach einer Straße benannt, die wiederum Parallelstraße zu einer Straße ist, die nach einer Stadt benannt ist, in der ein Designer lebt, der verantwortlich zeichnet für ein Tweedkostüm aus den Siebzigern, welches ich von meiner Mutter geerbt und in den Nuller-Jahren gern getragen habe. [Hallo Mama, Du also bitte NICHT mitmachen!] Es handelt sich um ein Kostüm aus dem in den 70er-Jahren hochgenrigen DOB-Bereich ausgewählter Kaufhäuser. Sagt man das so? Hochgenrige Damenoberbekleidung? Oder hochgenrige Kaufhausdamenoberbekleidung? KDOB? Der Designer stammt ursprünglich aus Berlin und auch seine Marke wurde wohl mit Berlin assoziiert. Das zumindest legt ein Zeit-Artikel aus dem Jahr 1977 nahe, der den Designer und Modefabrikanten zur sogenannten „Berliner Gruppe“ zählt. Anfang der 90er-Jahre sattelte der gesuchte Designer von Konfektionär auf Kunstsammler um und lebt nun in der Stadt, die – wie oben bereits erwähnt – Namensgeberin der Parallestraße der Straße ist, nach der der gesuchte U-Bahnhof benannt ist.

Wie heißt der U-Bahnhof? Und wie der Designer?

Zu gewinnen gibt es etwas aus dem hochgenrigen Sortiment von Karstadt Hermannplatz. Aber nicht etwa irgendwas, sondern einen von mir individuell für die Gewinnerin/den Gewinner ausgesuchten Preis. Dieses Mal scherze ich nicht.

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24. November 2013

Rekorde aus meinem Kleiderschrank

Man sollte meinen, ich besitze abartig viele Klamotten. Dem ist aber nicht so. Im Gegenteil, au contraire, al contrario – ich besitze abartig wenige Klamotten! Das weiß ich aber erst, seit ich regelmäßig „How to organize your closet“-Videos auf Youtube kucke. Nach einem langen Tag in meinem goldenen Hamsterrad bin ich zu nicht mehr viel anderem fähig und Fremden beim Ausmisten und Sortieren ihres Kleiderschranks zuzuschauen, wirkt sehr entspannend. Dank dieser „How to organize your closet“-Videos weiß ich also, dass es normal ist, zimmerweise Schuhe und Kleidungsstücke zu haben! Meine Garderobe hingegen ist sehr übersichtlich. Und doch – sie birgt wohl den ein oder anderen Rekord!

Meine drei  jüngsten Kleidungsstücke


Gerade mal einen Tag alt ist die gelbe Mütze. Gekauft bei Karstadt am Hermannplatz. Durch das Tragen dieser Mütze erhoffe ich mir, mich wie eine fröhliche, unbeschwerte sagen wir mal Skandinavierin zu fühlen, die niemals Kopfweh hat. Es gibt übrigens kaum einen Ort, an dem ich mich so wohlfühle wie bei Karstadt am Hermannplatz. Mein Kiez! Mein Karstadt! Mit diesem Slogan starte ich ein Volksbegehren, sollte Karstadt doch mal pleite gehen und das Haus am Hermannplatz schließen. Die gelbe Mütze wird dann das Symbol für meinen Kampf um Karstadt. Nur wenig älter als die gelbe Mütze, nämlich genau drei Stunden, ist die schwarze Bluse mit dem roten Karomuster. Mütze und Bluse sind quasi zweieiige Zwillinge, fast gleich alt, aus demselben Kaufimpuls heraus geboren, könnten aber unterschiedlicher nicht sein. Karstadt Hermannplatz hier, Lafayette Friedrichstraße dort. Die schwarzweißen Schuhe dagegen muss man mit ihren zweieinhalb Wochen auf dem Buckel fast schon als Oldies bezeichnen. Noch gehören sie zu den besten im Bereich „Meine drei jüngsten Kleidungsstücke“, aber ich fürchte, sie werden sich schon bald durch einen anderen, eher unrühmlichen Rekord hervortun …

Meine drei ältesten Kleidungsstücke


Das eierschalenfarbene Strickjäckchen mit Rüschenbund und die braune Bluse mit den weißen Pünktchen habe ich von meiner Mutter geerbt. Sie stammen aus den sehr frühen Achtzigern, also aus dem Jahr 1979, und sind ein schönes Beispiel dafür, dass es auch Vorteile hat, dass Plastik nicht verrottet. Beide Kleidungsstücke bestehen zu 100 Prozent aus Polyacryl, sind trotz ständigem Gebrauch in einem Topzustand und unzerstörbar. Das trifft sich gut, denn ich habe vor, diese Kombo noch als alte Frau zu tragen, schließlich will ich auch mit hinten ungekämmten Haaren und Frühstückseiflecken auf der Bluse schick aussehen! Die schwarze Lederumhängetasche war meine erste wirklich teure Anschaffung – immerhin drei Wochen Sommerferien habe ich 1988 für sie geopfert (aber der Putzjob im örtlichen Krankenhaus war okay).

Meine drei am häufigsten getragenen Kleidungsstücke

Ich hatte einfach mal Bock, ein Bild verkehrt herum einzustellen

Meine Barbourjacke, mein mobiles Zuhause! Trage ich täglich, trage ich zu allem. Zumindest wenn die Temperaturen zwischen -3 und 25 Grad Celsius liegen. Jedes Jahr im Januar, wenn zu kalt für diese Jacke ist, bringe ich sie in das Barbourjackengeschäft zum Flicken und Wachsen. Abschied ist ein scharfes Schwert! Dass die Jacke danach erst mal eine Weile total ekelhaft stinkt, möchte ich an dieser Stelle nicht verschweigen. Genauso oft, aber zu anderen Gelegenheiten trage ich meine tausendfach gestopfte Trachtenstrickjacke. Nach dem Aufstehen über meinem Schlafanzug, wenn es für einen Morgenmantel zu kalt ist. Abends at home. Zum Müllrunterbringen und Zeitunghochholen. Zum Einkaufen ums Eck. Jetzt gerade eben. Fröstelnde Gäste dürfen ebenfalls diese Strickjacke anziehen, bei der es sich um eine reine Freizeitjacke handelt. Noch nie ist diese Strickjacke aus Neukölln rausgekommen! Und die alten weißen Slip-ons auch nicht, die treten sowieso immer im Doppelpack mit der Strickjacke auf.

Meine drei  teuersten Kleidungsstücke


Mein mit Abstand teuerstes Kleidungsstück ist die Chloé Edith Bag. Stammt aus der Zeit als uber designer Phoebe Philo noch für die Taschen bei Chloé zuständig war. Damals wusste man aber noch gar nicht, wer Phoebe Philo ist und Céline hatte kein Mensch auf dem Schirm! Eines meiner am häufigsten getragenen Kleidungsstücke ist zugleich mein zweitteuerstes Kleidungsstück, nämlich meine Barbourjacke, dicht gefolgt von meiner MSGM-Harlekinbluse.

Meine drei am schnellsten heruntergewirtschafteten Kleidungsstücke


Dass weiße Schuhe unglaublich schwer zu pflegen sind, weiß doch wohl jeder! Was auch jeder weiß: Only a fool makes the same mistake twice. Nachdem ich mein erstes Paar weiße Schuhe in Windeseile heruntergewirtschaftet hatte – das geht ganz einfach, man muss nur einige Male bei Regen Fahrradfahren – habe ich mir ein zweites Paar weiße Schuhe zugelegt und bin nicht nur wieder mit ihnen durch den Regen gefahren, sondern habe sie darüber hinaus zu einer neuen dunkelblauen Jeans getragen. Jetzt haben sie einen nicht mehr entfernbaren bläulich-grünlichen Schleier. Meine brandneuen schwarzweißen Lackschuhen (siehe oben) werden bald die Nummer 3 in dieser Rubrik sein. Fahrradgefahren bin ich mit ihnen schon. Einmal aus Fehlern lernen!! Immerhin hat es nicht geregnet.

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